Archiv des Autors: Gela Weyer

Jahresbericht 2015

Liebe Yanomami-Freundinnen und Freunde.
Unglaublich, aber wahr!

25 Jahre Einsatz für die Yanomami und 10 Jahre Yanomami-Hilfe e.V.
Grund genug für einen kurzen ückblick auf unsere Yanomami-Arbeit.

1990 lernte ich die Yanomami auf einer Expedition mit Rüdiger Nehberg kennen. Seitdem sind sie meine Lebenspartner.

1990 Erste Begegnung und "Berührung" mit den Yanomami

1990 Erste Begegnung und „Berührung“ mit den Yanomami

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses lebensfrohe Indianervolk in seiner Ursprünglichkeit kennenlernen durfte und bis heute auf ihrem Weg zur Selbstbestimmung begleiten darf. Jedes Jahr verbringe ich mindestens drei Monate bei ihnen in den abgelegenen Urwalddörfern und besuche regelmäßig unsere Krankenstationen in Ixima, Papiu und Mavaquita. Soweit wie erforderlich werden sie renoviert und bekommen einen neuen Anstrich.

In den letzten Jahren konnten wir viele Yanomami-Dörfer mit Mikroskopen, Sprechfunkgeräten, Moskitonetzen, Solaranlagen, Alu-Kanus und Außenborder ausrüsten. Dadurch hat sich die gesundheitliche Situation der Yanomami wesentlich verbessert. In den Dörfern am Fluss Marauia gibt es kaum noch Malaria. Falls ein Yanomami doch an Malaria erkranken sollte, wird er sofort behandelt, damit es zu keiner weiteren übertragung durch die Mücke kommen kann.

In unseren drei Krankenstationen arbeiten seit vielen Jahren ausgebildete Yanomami-Krankenpfleger und Mikroskopisten. Von Beginn an mussten die Yanomami beim Aufbau der Krankenstation mithelfen. Es zeigt sich, dass die Yanomami wesentlich sorgfältiger mit den Krankenstationen umgehen, da es „ihr Projekt“ ist. Hilfe zur Selbsthilfe ist von Anfang an mit Nachhaltigkeit praktiziert worden.

Unser Prachtstück, die Krankenstation in Papiu Kayanau

Unser Prachtstück, die Krankenstation in Papiu Kayanau

Mit der Französin Anna Ballester haben wir seit 20 Jahren eine zuverlässige Partnerin vor Ort, die viele Yanomami-Lehrer ausgebildet hat. In unserem Bildungszentrum Poraquequara schult sie Yanomami zu politischen Sprechern. Anna erklärt ihnen die Struktur der Korruption, wie sie aufgebaut ist und wie sie schleichend beginnt. Sie lädt brasilianische Rechtsanwälte ein, die sich mit der Politik des Landes und den indigenen Gesetzen auskennen. In intensiven Bildungskursen lernen die Yanomami ihre Rechte kennen, wie man sie vertritt und wie man sich organisiert. Inzwischen gibt es drei Yanomami-Organisationen, die sich gegenseitig unterstützen: Hutukara und Kurikama in Brasilien sowie Horonami in Venezuela.

Trotz dieser guten Entwicklung zur Selbstständigkeit der Yanomami gab es auch Rückschritte und Probleme.

In Venezuela zeigte sich die Zusammenarbeit mit dem Militär unmöglich. Die Transportzusage, mit einem Hubschrauber Baumaterial zur Krankenstation in Delgado Chalbaud zu bringen, wurde nicht eingehalten. Somit konnten wir dort bis heute keine Krankenstation aufbauen.

Zweimal wurde ich beim Aufbau einer Krankenstation von der brasilianischen Policia Federal willkürlich verhaftet. Nach einem Besuch bei den Yanomami am Orinoko verschleppte und bedrohte mich das venezolanische Militär, um mich einzuschüchtern. Denn Hilfe von außerhalb für die Yanomami ist nicht immer erwünscht.

Seit einigen Jahren erhalten die Yanomami in Brasilien, wie alle anderen brasilianischen Familien, Kindergeld. Die Alten erhalten eine kleine Rente. So kommt Geld in einige Yanomami-Dörfer, mit dem die Yanomami lernen müssen umzugehen. Zunächst kauften sie Kleidung und westliche Nahrung wie Reis, Nudeln, Konserven und vernachlässigten dabei den Anbau in ihren Gärten. Es dauerte einige Zeit, bis sie merkten, dass ein selbstgefangener frischer Fisch viel besser schmeckt als Sardinen oder Thunfisch aus der Konservendose. Heute wissen sie, dass die beste und sicherste Nahrungsversorgung ihre eigenen Gärten sind, die sie nun wieder besser pflegen.

Es gibt Yanomami-Dörfer, die keinen Kontakt mit der Außenwelt wünschen

Es gibt Yanomami-Dörfer, die keinen Kontakt mit der Außenwelt wünschen

Entwicklung der Yanomami-Dörfer

  1. Bei den Yanomami gibt es mittlerweile vier Arten von Dörfern:
    Die am Urwaldrand lebenen Yanomami-Dörfer mit viel Kontakt
    zu unserer sogenannten Zivilisation.
  2. Die abgelegenen Dörfer mit wenig Kontakt zur Außenwelt,
    zum Teil nur durch ein Sprechfunkgerät.
  3. Die isoliert lebenden Yanomami, die überhaupt keinen Kontakt
    mit der Außenwelt haben.
  4. Heute hat sich eine interessante vierte Form von Yanomami-Dörfern entwickelt und zwar solche, die schon viel Kontakt mit der Zivilisation gehabt hatten, jedoch erkannten, dass es ihnen nicht gut bekam und freiwillig in die Abgeschiedenheit
    des tiefen Urwalds zurückgekehrt sind.

Yanomami-Vorträge in Deutschland und weltweit

Endlich konnte ich die wichtigen Sprechfunkgeräte und das Mikroskop durch den Zoll von Caracas bekommen

Endlich konnte ich die wichtigen Sprechfunkgeräte und das Mikroskop durch den Zoll von Caracas bekommen

Seit 25 Jahren halte ich Vorträge an Schulen, Universitäten, für Vereine, Umweltschutz-Organisationen, für Landfrauen und Rotaryclubs in Deutschland und weltweit. Das Interesse an den Yanomami-Indianern und den tropischen Regenwald ist weiterhin ungebrochen. Viele Schulen organisierten in den letzten Jahren nach den Vorträgen Benfiz-Aktionen und unterstützten damit unsere Projektarbeit.

Jahresbericht 2015

Im vergangenen Jahr war ich zweimal bei den Yanomami. Von der ersten Reise berichtete ich ausführlich im letzten Jahresbericht.

Dank eines Empfehlungsschreibens der Venezolanischen Botschaft in Berlin konnte ich im Oktober fünf Sprechfunkgeräte und ein wertvolles Mikroskop für die Yanomami mitnehmen und sicher durch den Zoll von Caracas bringen. Die Yanomami bestimmen gemeinsam, in welchen Dörfern sie die Geräte installieren wollen.

Marcelo (rechts) überreicht Davi Kopenawa das Wayamou-Buch

Marcelo (rechts) überreicht Davi Kopenawa das Wayamou-Buch

Das Mikroskop wird im Tropeninstitut CAICET von Puerto Ayacucho zur medizinischen Ausbildung der Yanomami eingesetzt. Es finden dort regelmäßig Mikroskopiekurse für die Yanomami und für andere Indigene statt. Die venezolanische Ärztin Magda Magris leitet diese Kurse seit vielen Jahren.

Im Oktober 2015 gab es in Caracarana, im Norden Brasiliens an der Grenze zu Venezuela, ein einmaliges Treffen zwischen den venezolanischen und den brasilianischen Yanomami. Das Zusammenkommen dieses binationalen Treffens dauerte sehr lange, da die Yanomami zunächst ihre Stammesfeindlichkeiten ablegen mussten. Ich erkläre ihnen seit langer Zeit, dass der größte Feind von Außen käme und dass es wichtig sei, sich zu organisieren, um einheitlich stärker auftreten zu können. Auf dem 5-tägigen Treffen besprachen sie nun ihre zukünftigen gemeinsamen Forderungen und Aktionen.

Yanomami jagen mit Pfeil und Bogen und kämpfen mit Laptop für ihre Rechte

Yanomami jagen mit Pfeil und Bogen und kämpfen mit Laptop für ihre Rechte

Zusammen mit Hilfe zweier Anthropologen Bruce Albert und Jose Kelly veröffentlichten die Yanomami zwei Bücher über ihre Heilpflanzen und über ihre traditionellen Begrüßungsreden “Wayamou“, die viele poetische Metaphern enthalten. Mit diesen ersten Büchern möchten sie ihre Kultur für die Nachfahren bewahren und anderen zugänglich machen.

Das zweite Treffen der Yanomami von Kurikama fand in Bichu Acu am Fluss Marauia statt, wo Anna Ballester lebt. Vertreter von 13 Yanomami-Dörfern trafen sich nach einem Jahr wieder. Es wurde beschlossen bei der Organisation Secoya in Santa Isabel einen Büroraum für ihre Organisation zu nutzen. In Planung ist die Anschaffung eines Computers mit Internetzugang mit eigener Homepage. Mit dem weltweiten Netzwerk wollen die Yanomami bei Gefahren Ausmerksamkeit und internationalen Druck schaffen.

Nach dem Vortrag in Osterhofen wollten alle Schülerinnen sofort mit zu den Yanomami

Nach dem Vortrag in Osterhofen wollten alle Schülerinnen
sofort mit zu den Yanomami

Im vergangenen Dezember hielt ich wieder täglich Vorträge an Schulen in Bayern. Eingeladen hatten mich Schulleiter von Grundschulen, Realschulen, Gymnasien, Lehrer von Waldorfschulen und Maria-Ward-Schulen. Inzwischen gibt es die Yanomami in fast allen Schulbüchern als Vertreter eines Naturvolkes im Regenwald. Die Schüler sind sehr interessiert und können sich, wie beispielsweise nach dem Vortrag in Osterhofen, vorstellen auch für die Yanomami ein Hilfs-Projekt aufzubauen.

Unsere Yanomami-Hilfe e.V.

Unser Yanomami-Hilfe Verein wurde genau vor 10 Jahren gegründet. Er ist zwar klein, aber effektiv! Mit Euren regelmäßigen Beiträgen, den Online-Spenden und den Spenden nach den Schulvorträgen konnten wir bis heute die Yanomami unterstützen und ein verlässlicher Partner für sie sein. Regelmäßig werden unsere Ein- und Ausgaben vom Finanzamt Kiel-Nord überprüft. Ohne Beanstandungen erhalten wir jedesmal die weitere Gemeinnützigkeit.

Wie soll unsere zukünftige Yanomami-Arbeit aussehen?

Wir wollen weiterhin die Selbstständigkeit der Yamomami fördern und Sprechfunkgeräte auch in die abgelegenen Yanomami-Dörfern bringen, damit alle Dörfer in Kontakt miteinander stehen und bei Gefahr durch Goldsucher oder Epidemien sofort Hilfe anfordern können. Gerade habe ich 10 weitere Sprechfunkgeräte bestellt, die ich im Frühjahr den Yanomami in Brasilien mitbringen möchte.

Für die Zukunft plane ich im Internet bei www.betterplace.org ein Spendenportal für die Yanomami zu errichten. Vielleicht haben wir Glück und bekommen auf diesem Weg weitere finanzielle Unterstützung.

Mein Wunsch ist es enger mit den Regierungen in Deutschland und vor Ort zusammen zu arbeiten. Am 23. April 2016 werde ich in Berlin für das Auswärtige Amt vor 1000 Tropenärzten einen Vortrag halten.

Besuch von Rüdiger in meiner WG Blumenthal. Uns verbinden viele gemeinsame Expeditionen.

Besuch von Rüdiger in meiner WG Blumenthal. Uns verbinden
viele gemeinsame Expeditionen.

Danach folgt im Sommer ein Vortrag für die Venezolanische Botschaft.

Fazit

Eine schmerzvolle Erkenntnis ist, dass die Zukunft der Yanomami immer bedroht sein wird und dass der Druck auf ihr Land, auch die letzten Bodenschätze auzubeuten, niemals aufhören wird. Die Yanomami haben dies erkannt und wissen, dass sie langfristig selbst ihre Rechte in die Hand nehmen müssen. Wir möchten die Selbstinitiative der Yanomami soweit wie möglich und soweit wie nötig unterstützen.

Zum Schluss das Wort „Zur Danksagung“

Vor ein paar Wochen besuchte mich mein alter Kampfgefährte Rüdiger Nehberg in Blumenthal. Zu seinem 80ten Geburtstag schenkte ich ihm ein Fotoalbum mit Bildern von unseren gemeinsamen Expeditionen. Ohne ihn hätte ich die Yanomami niemals kennengelernt. Vielen Dank Rüdiger!

Anna ist eine langjährige Vertraute und Beraterin der Yanomami

Anna ist eine langjährige Vertraute und Beraterin
der Yanomami

Bedanken möchte ich mich auch bei meinen bisherigen Mitarbeiterinnen der Yanomami-Hilfe e. V. Isa Gern, Heike Pries und bei meinen derzeitigen Mitarbeiterinnen Maren Doobe (Buchhalterin), Gela Schmidt (Homepagepflegerin) und bei meinem neuen Mitarbeiter Lennard Walden (Yanomami-Büro). Ohne Euch könnte ich die Vereinsarbeit nicht leisten.

Dass die politische Yanomami-Arbeit in Amazonien vor Ort so gut funktioniert haben wir Anna Ballester zu verdanken, die sich mit unglaublichen Willen und Engagement für die Yanomami einsetzt.

Spenden von Vereinen und Organisationen

Dankeschön an:
SOS Regenwald aus Wels (Österreich), Limpopo e.V. Berlin, Eine Welt Kreis “Sankt Martin” der Katholischen Pfarrgemeinde Mehring und „Kirchenchor Yanomami“ aus Hamm.

Auch die Yanomami-Frauen nehmen an den Versammlungen teil

Auch die Yanomami-Frauen nehmen an den Versammlungen teil

Durch die großzügige Spende des Vereins „Lebensraum Regenwald“ von Roland Zeh aus Nürnberg konnten wir 5 Sprechfunkgeräte für die Yanomami-Organisation Hutukara anschaffen ! Mochas gracias.

Herzlichen Dank an unsere treuen Mitglieder der Yanomami-Hilfe e.V, die mit ihren regelmäßigen Beiträgen unsere kontinuierliche Arbeit unterstützen. Vielen Dank auch an die privaten Spender und Online-Spender, die über unsere Homepage spenden.

Monika Kienas, Gerd Haverkamp, Christhard Kotte, Kathrin Liedke, Hans Hinrich Kahrs, Elisabeth Albert, Frank Wiggert, Elena Ziesemer, Familie Günzler, Katrin Scheven, Tom Avsic, Franz Rabenhofer, Karl Wenning vom TAC-Verlag aus Aichach, Christian Dohrn und Munna Thies aus dem Colombie! (Frankreich)

Die Yanomami-Kinder haben ein sonniges Gemüt und immer gute Laune

Die Yanomami-Kinder haben ein sonniges Gemüt und immer gute Laune

Aktionen von Schulen zugunsten der Yanomami

Maria-Ward-Schulstiftung Altötting (Solimarsch), Hefner Alteneck Schule Aschaffenburg (Kuchenverkauf)
Städtische Fridtjof-Nansen Realschule München (Kuchenverkauf)

Ein herzliches Dankeschön auch an Alba Rondon, meiner politischen Beraterin in Venezuela und an Evelyn Gutiérrez aus Caracas, die unsere Homepage und Berichte ins Spanische übersetzt.

Einen persönlichen Dank möchte ich an Marion Strauss-Barthel schicken, die mir seit Jahren für die Bayern-Vortragstour ihr Panda-Auto leiht, mit dem ich auch bei Schnee und Eis die Schulen erreiche.

Zum Schluß ein herzliches Dankeschön an Jens Riepen, meinen Mitbewohner und Vermieter für die unverschämt günstige Miete, die ich für mein Zimmer und für das Yanomami-Büro in unserer WG-Blumenthal zahle.

„In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung“

„In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung“

Vielen Dank! Muito obrigada! Muchas gracias! Totihi

Die ganze Yanomami-Arbeit wäre ohne Eure Unterstützung nicht möglich.
Bitte unterstützt uns weiter!

Ich wünsche Euch alles Liebe
und Zufriedenheit
Eure
Christina Haverkamp

25 years in action for the Yanomami-Indigenous – Uni-Kiel – 19.01.2016

Christina Haverkamp is presenting her human right work and medical care projects for the Yanomami in the rainforest of the Amazone and Orinoco.

Time and Place: Tuesday, 19. January 2016 from 18:00 pm – 19:30 pm in Olshausenstraße 75 lab building room 04 (former old PH-Mensa Kiel)

Students and teachers from the School of Sustainability and other guests are welcome!

See you soon!

Ein halbes Leben für die Yanomami – 9.1.2016

Quelle: Dithmarscher Landeszeitung (Wochenend-Journal), veröffentlicht am 9.1.2016

Die Kielerin Christina Haverkamp kämpft für bedrohte Amazonas-Indianer
yanomami-1Von Joachim Welding

Blumenthal – Die Menschenrechtsaktivistin Christina Haverkamp aus Blumenthal bei Kiel zieht Bilanz: 25 Jahre nach der ersten Expedition mit Rüdiger Nehberg in den südamerikanischen Regenwald schienen die Yanomami-Indianer vor dem Völkermord gerettet. Doch nun drohen neue Gefahren.

Ihren Rucksack hat Christina Haverkamp nach ihrer dreimonatigen Venezuela-Reise gar nicht ausgepackt. Hängematte und Latschen sind noch immer greifbar – zu Hause in ihrer Bauernhaus-WG in Blumenthal. „Mit diesem Rucksack bin ich schon als 21-jährige Studentin durch Südamerika gereist. Seitdem begleitet er mich auf allen Unternehmungen“, erzählt die 57-jährige Sport- und Mathe-Lehrerin. Warum sie leichtes Gepäck bevorzugt, musste die ebenso lebenslustige wie unerschrockene Menschenrechtlerin im April bei einer gefährlichen Aktion in Venezuela wieder einmal erfahren.

Mit einer legendären Bambusfloßfahrt über den Atlantik machten Rüdiger Nehberg und Christina Haverkamp 1992 auf das Schicksal der Yanomami-Indianer aufmerksam.

Mit einer legendären Bambusfloßfahrt über den Atlantik machten Rüdiger Nehberg und Christina Haverkamp 1992 auf das Schicksal der Yanomami-Indianer aufmerksam.

Dort lebt ein Teil der rund 25 000 Yanomami-Indianer im schwer zugänglichen Regenwald, ein anderer Teil bewohnt den Dschungel am Amazonas in Brasilien. Nachdem die Menschenrechtlerin eine Demonstration mit 100 Indianern in Kriegsbemalung in der Bezirksstadt Puerto Ayacucho organisiert hatte, geriet sie selbst ins Visier der sozialistischen Diktatur. „Die Demo schlug ein wie eine Bombe. Zeitungen, Fernsehen und Radio berichteten landesweit, über Twitter verbreitete sich der Protest gegen die katastrophale Gesundheitsversorgung wie ein Lauffeuer.“ Niemand habe erwartet, dass die Indianer gegen ein gefährliches Regime aufstehen. „Für die Würde und den Respekt unseres Volkes. Eine gute Gesundheit – sofort!“, forderten sie auf Plakaten.

„Eigentlich wollte ich anschließend mit den Yanomami unsere Krankenstation am Rio Orinoko besuchen, doch ein Freund hatte mich telefonisch gewarnt: Christina, du bist in großer Gefahr! Sie wollen Dich verhaften!“ 200 Regierungskritiker hat das Regime unter Nicolás Maduro seit Jahresbeginn schon hinter Gitter gebracht, wo viele gefoltert werden sollen. „Dazu kommen bewaffnete überfälle. Die Lage in der Hauptstadt Caracas ist noch gefährlicher, als ich befürchtet hatte. Es gibt kaum Lebensmittel, das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen“, berichtet sie von ihren Erlebnissen. Von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes hat sich die Blumenthalerin allerdings nicht abschrecken lassen.

Yanomami Mädchen Haximu mit Holzschmuck.

Yanomami Mädchen Haximu mit Holzschmuck.

Sie hatte Glück: „Der Geheimdienst hatte mein Hotel beschattet, doch bei dem Bischof vor Ort erhielt ich zwei Tage politisches Asyl. Dann konnte ich frühmorgens mit dem nächsten Flugzeug Puerto Ayacucho verlassen.“ Auch wenn sie wegen der Sicherheitslage eine Lieferung Funkgeräte für die Yanomami aus Deutschland nicht mitnehmen konnte, zieht Haverkamp eine positive Bilanz: „Der Vizepräsident Arreaza hat eine Yanomami-Delegation nach Caracas eingeladen. Er versprach ihnen, ärzte, Medikamente und einen Hubschrauber zu schicken. Jetzt müssen wir sehen, ob Taten folgen. Die Yanomami lassen sich nicht mehr hinhalten.“

Auch das ist der Erfolg von 25 Jahren Unterstützungsarbeit für das bedrohte Volk. „Bei meinen ersten Reisen habe ich gesehen, wie viel Ungerechtigkeit und soziale Not in Südamerika herrschen. Die Yanomami waren in einen Bürgerkrieg geraten: 65 000 Goldsucher rodeten ihren Regenwald und verseuchten die Flüsse mit Quecksilber.“ Massaker, grausame Morde und eingeschleppte Krankheiten töteten Tausende Indianer. Die brasilianische Regierung deckte den illegalen Raubbau. Erst die spektakuläre Atlantiküberquerung von Rüdiger Nehberg und Christina Haverkamp 1992 mit einem Bambusfloß rückte das Schicksal der Ureinwohner in den Blick der Weltöffentlichkeit. „500 Jahre Amerika, 500 Jahre Völkermord. Rettet die Yanomami“ stand auf dem Segel. Dokumentationen zur besten Sendezeit im Fernsehen, Greenpeace, Amnesty International und der WWF erhöhten den Druck auf die Regierung, die die meisten Goldsucher schließlich Mitte der 1990er-Jahre aus dem Yanomami-Land verbannten.

Mit Nehberg und Haverkamp hatte sich ein Dream-Team für den unerschrockenen Kampf gegen alle Widerstände gefunden. „Da begegnet mir die Kielerin Christina, 25 Jahre jünger, Sportlehrerin, 58 Kilo Sehnen, Zähigkeit und Power“, berichtet „Sir Vival“, der sie in einem seiner Trainings kennenlernte. „Sie hat vor nichts Angst, ist aber auch nicht leichtsinnig.“ Irgendwann trennen sich die Wege der Beiden. Die Kielerin setzte sich nun verstärkt für die Gesundheitsversorgung und Bildung der Yanomami ein, baute drei Krankenstationen und vier Schulen. „Wir fördern nur die Dinge, die die Menschen selbst wollen. Und sie lernen, selbstständig mit Medikamenten und Mikroskopen umzugehen, um Malaria und Tuberkulose zu bekämpfen.“ 2002 nimmt Haverkamp mit einem Yanomami-Häuptling am Uno-Weltkongress für indigene Völker in New York teil – ein großer Erfolg. Die Deutsche hält Vorträge an der Harvard-Universität in den USA, in Paris, Rio und an unzähligen Schulen in Deutschland, bisher viele tausend Mal.

Vor der Krankenstation in Ixima.

Vor der Krankenstation in Ixima.

Inzwischen gehören die Yanomami zum Lernstoff an deutschen Schulen, ihr Schicksal ist in Schulbüchern dokumentiert. „Die Indianer sind mir deshalb so ans Herz gewachsen, weil sie im Einklang mit der Natur leben. Sie hinterlassen keinen Müll, unsere Sucht nach Luxus ist ihnen ebenso fremd wie der ständige Drang nach Fortschritt.“ Ihre Freunde im Regenwald haben Christina Haverkamp wegen ihres hartnäckigen Einsatzes den Spitznamen „Cohiba“ gegeben. Das bedeutet so viel wie: „Harte Bohne, die sich nicht weich kochen lässt“!

Infos im Internet: www.yanomami-hilfe.de

Schülerinnen ergriffen von Vortrag über Yanomami-Indianer in Südamerika

Schulleiter Alfons Bauer bedankte sich bei der Referentin für den informativen und beeindruckenden Vortrag.

Schulleiter Alfons Bauer bedankte sich bei der Referentin für den informativen und beeindruckenden Vortrag.

Die Menschenrechtlerin Christina Haverkamp referierte sehr eindrucksvoll vor den Schülerinnen der 5. – 8. Jahrgangstufen von ihrem Einsatz für eines der letzten Naturvölker unserer Erde. Die Zuhörerinnen waren begeistert und traurig zugleich aufgrund des Unrechts gegen diese Indianer.

„Wheti wa wa hu?“ ist Yanomamé und heißt auf deutsch: „Wie heißt du?“. Doch diese Frage wird längst nicht mehr gestellt, wenn Christina Haverkamp zu den Yanomamis nach Brasilien oder Venezuela reist, sie ist seit vielen Jahren bei ihnen angenommen und lebt bei ihnen wie ein richtiges Stammesmitglied.

Die Menschenrechtsaktivistin, die sich bereits ihr halbes Leben lang für das bedrohte Indianervolk der Yanomamis einsetzt, zeigte mit ihren beeindruckenden Bildern, welch schlimme Lebenssituation dort herrscht. Ihren Beruf als Lehrerin hat sie längst aufgegeben, um sich mit selbstlosem Engagement und außerordentlichem Mut für das Überleben des Urvolkes einzusetzen. Das Unrecht begann in den 80er Jahren, als erste Goldfunde im Gebiet der Yanomamis bekannt wurden. Schnell waren es über 50.000 Goldsucher, die in den Urwald der Indianer eindrangen, ihre Wälder rodeten, sie aus ihren Dörfern vertrieben oder sie gar ermordeten. Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose, Masern oder Grippe wurden von den Fremden eingeschleppt. Außerdem verseuchten sie im Zuge der Goldgewinnung die Flüsse mit Quecksilber und somit auch die Nahrung und das Trinkwasser.

Durch nun brachliegende Sümpfe entstanden Brutstätten für die Malaria-Mücken, denen die Indianer schutzlos ausgeliefert sind. Viele Jahre lang wurden die Menschenrechtsverletzungen von den Regierungen Venezuelas und Brasiliens einfach verleugnet. Anstatt die Naturvölker zu schützen, wurden in Venezuela Regierungskritiker und Helfer der Yanomamis sogar verhaftet. Die Regierung Brasiliens unterstützte vielmehr die „Bosse“ der Goldsucher in ihrem Bestreben, das Naturvolk auszurotten, um ungehindert an das Edelmetall zu kommen.

Vieles hat Christina Haverkamp seit ihrem unermüdlichen Einsatz für die Indianer bereits erreicht: Die Überquerung des Atlantiks auf einem selbstgebauten Bambusfloß gemeinsam mit dem Aktivisten Rüdiger Nehberg brachte ihr 1992 eine erste große Aufmerksamkeit für das Unrecht in Südamerika. Sie gründete den Yanomami-Hilfeverein und konnte gemeinsam mit anderen Mitstreitern bereits drei Krankenstationen und 12 Schulen aufbauen. Dort werden die Indianer unter anderem unterrichtet, welche Rechte sie haben. Mit Geldern der Yanomami-Hilfe e.V. kaufte sie Moskitonetze und Mikroskope für die Früherkennung von Tuberkulose. Außerdem brachte sie Sprechfunkgeräte nach Südamerika, damit die entlegenen Indianerstämme sich gegenseitig vor immer noch herannahenden Goldsuchern schützen können. Anfang dieses Jahres organisierte sie eine Demonstration der Yanomami in Puerto Ayacuchco (Venezuela) mit dem Ergebnis, dass der Vizepräsident von Venezuela bei einem anschließenden Gespräch versprach, Ärzte und Medikamente zu schicken.

Nach dem Vortrag meldeten sich alle Schülerinnen, die auch bei den Yanomami ein Projekt aufbauen möchten.

Nach dem Vortrag meldeten sich alle Schülerinnen, die auch bei den Yanomami ein Projekt aufbauen möchten.

Ob den Versprechungen auch Taten folgen bleibt abzuwarten. Die Schülerinnen wünschen es der ehemaligen Lehrerin sehr und für die Yanomamis hoffen wir, dass sie endlich menschenwürdig behandelt werden. Abschließend stellte die Referentin die Frage, wer sich ein ähnliches Engagement nach seinem Schulabschluss an der Realschule Damenstift vorstellen könne. Sehr viele Finger erhoben sich und dies war die Bestätigung dafür, dass die Mädchen wirklich sehr berührt waren von dem eindrucksvollen Vortrag, den ergreifenden Bildern und dem Einsatz dieser selbstlosen Frau.